Ernährung und Mikrobiom: Was sagt die aktuelle Forschung?

Einleitung

Unser Darm ist mehr als nur ein Verdauungsorgan. Er ist ein komplexes Ökosystem. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Ernährung und Mikrobiom zeigen: Im menschlichen Körper leben insgesamt rund 40 Billionen Mikroorganismen – in etwa genauso viele, wie wir Körperzellen haben. „Mensch“ und Mikrobiom sind in uns also ca. 1:1 vertreten. Und dieses Zusammenspiel wird durch unsere Ernährung beeinflusst.

Viele spannende Ergebnisse wurden auf dem 63. wissenschaftlichen DGE-Kongress mit dem Leitthema „Ernährung und Mikrobiom“ vorgestellt. Dabei wurde deutlich: Neben dem Mikrobiom spielen auch Themen wie Prävention, kindliche Ernährung, Nährstoffversorgung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine große Rolle in der Ernährungswissenschaft.

Doch was bedeutet das konkret für das Zusammenspiel zwischen Ernährung und Mikrobiom? Was wissen wir und wo besteht noch Forschungsbedarf?


Das Mikrobiom: Ein unterschätztes System?


Das Mikrobiom umfasst Billionen von Mikroorganismen. Trotz intensiver Forschung ist es bis heute nicht vollständig verstanden. In den letzten Jahren wurde fast schon ein Hype um das Mikrobiom und potentielle gesundheitliche Auswirkungen kreiert. Einige Erkenntnisse zum Thema Ernährung und Mikrobiom folgten, jedoch konnten viele „Hypes“ auch (noch) nicht belegt werden. Beispielsweise gibt es (noch) keine Belege dazu, dass das Mikrobiom Einfluss auf die Nahrungsauswahl bei uns Menschen hat, obwohl dies in Tierstudien bereits belegt werden konnte.

Spannend ist auch: nicht nur unsere Gene haben Einfluss auf das Mikrobiom, sondern vor allem auch unser Lebensumfeld. Menschen, die zusammenleben, haben oft ein ähnlicheres Mikrobiom als Menschen mit genetischer Verwandtschaft (z.B. Geschwister).


Probiotika & Mikrobiom-Tests – sinnvoll oder nicht?

Hand mit Probiotika

Viele Menschen setzen auf Probiotika oder Mikrobiom-Analysen. Die aktuelle Studienlage zeigt jedoch:

  • Probiotika führen oftmals nicht zu messbaren Veränderungen im Mikrobiom
  • Mikrobiom-Tests liefern aktuell uneinheitliche Ergebnisse – so kamen beispielsweise in einer Studie sieben verschiedene Anbieter bei gleicher Stuhlprobe zu sieben unterschiedlichen Mikrobiom Ergebnissen

Ernährung als Schlüssel zum Mikrobiom


Ein Bereich ist dagegen gut belegt: Ernährung beeinflusst das Mikrobiom.

Insbesondere bei der mediterranen Ernährungsweise (reichlich Gemüse, Obst, Olivenöl, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse) konnten nachweislich positive Veränderungen im Mikrobiom detektiert werden. Dies liegt unter anderem an den vielen aufgenommen Ballaststoffen aus den pflanzlichen Lebensmitteln. Da die mediterrane Ernährungsweise aktuell bereits als besonders gesund gilt, ist dies ein zusätzlicher positiver Effekt.

Abgesehen von der mediterranen Ernährung zeigen Studien zudem:

  • Schon kurzfristige Ernährungsumstellungen (z. B. 2 Haferkur-Tage) können das Mikrobiom positiv beeinflussen
  • Pflanzlich geprägte Ernährungsweisen fördern eine größere mikrobielle Vielfalt
  • Veränderungen im Mikrobiom können mit verbesserten Blutfettwerten einhergehen

Mikrobiom und Medizin: Ein wachsendes Forschungsfeld


Das Mikrobiom beeinflusst nicht nur die Verdauung. Es gibt erste Erkenntnisse zu:

  • Wechselwirkungen mit Medikamenten
  • einen möglichen Einfluss auf Krebstherapien
  • sowie der Bedeutung für den Erfolg von Transplantationen

Hier steht die Forschung noch am Anfang und ich bin gespannt was wir in einigen Jahren hierzu alles wissen.


Adipositas und Ernährung im Kindesalter


Ein weiteres wichtiges Thema des Kongresses war:
Übergewicht und Adipositas nehmen weiter zu – auch bei Kindern.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das sogenannte metabolische Syndrom.

Eine vorgestellte kleinere Studie bei adipösen Kindern zeigte:

  • Eine mediterrane Ernährung kann das Risiko deutlich senken
  • Nach nur 6 Monaten Ernährungsumstellung und Begleitung wiesen etwa 20 % weniger das metabolisches Syndrom auf

Das zeigt: Ernährung hat früh im Leben einen entscheidenden Einfluss.


Besondere Nährstoffe bei pflanzenbasierter Ernährung


Viele Fachvorträge der Veranstaltung griffen das Thema vegane oder überwiegen pflanzenbasierte Ernährung auf. Drei Nährstoffe sind hier besonders in den Fokus geraten:

  • Jod: häufige Unterversorgung jedoch sehr wichtig für die Schilddrüse sowie vor und während der Schwangerschaft
  • Cholin: durch ausgewogene Ernährung mit regelmäßigem Verzehr von z. B. Brokkoli, Soja und Blumenkohl ist der Bedarf abdeckbar, sollte jedoch unbedingt in der täglichen Lebensmittelauswahl berücksichtigt werden.
  • Calcium: wird häufiger von Frauen nicht ausreichend aufgenommen

Insgesamt zeigt sich, eine gezielte Planung der Ernährung und verzehrten Lebensmittel ist bei veganer Ernährung entscheidend.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lies gerne auch meinen Blogbeitrag zur Fachtagung des Instituts für pflanzliche Ernährung oder kontaktiere mich direkt, bei Fragen oder einem Beratungswunsch.


KI in der Ernährungsberatung – Chance mit Grenzen


Künstliche Intelligenz wird zunehmend auch in der Ernährungsberatung eingesetzt.

Spannend fand ich hier erste Ergebnisse aus einer kleinen Studie:

  • grundsätzlich lieferte die KI brauchbare Einschätzungen
  • aber auch fehlerhafte Empfehlungen traten in Einzelfällen auf, z.B. bei Vorerkrankungen
  • teilweise ging die KI nicht auf spezifische Zusatzinformationen wie Bluthochdruck ein und gab eine standardisierte Empfehlung

Wichtig:
Gerade bei Erkrankungen oder tieferen medizinischen Fragestellungen sollte immer eine qualifizierte Fachberatung erfolgen.


Mein Fazit


Das Mikrobiom ist ein hochkomplexes System, das wir erst beginnen zu verstehen. Klar ist jedoch schon heute:

  • Ernährung ist ein wichtiger Hebel für unsere Gesundheit.
  • Besonders eine ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Ernährung zeigt viele positive Effekte.

Wer langfristig etwas für seine Gesundheit tun möchte, kann genau hier ansetzen.

Wenn auch du dich interessierst und Lust auf eine gesündere oder pflanzenbasierte Ernährung hast, aber noch unsicher bist auf was du achten solltest. Dann melde dich gern bei mir.


Kurze Erläuterungen zu wichtigen Begriffen


DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung ⇗):
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die u.a. Empfehlungen zur Ernährung in Deutschland entwickelt.

Metabolisches Syndrom:
Als metabolisches Syndrom wird das gemeinsame Auftreten mehrerer Risikofaktoren bezeichnet, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes erhöhen.

Probiotika:
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die über Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden.

Adipositas:
Adipositas beschreibt eine chronische Erkrankung, die durch eine übermäßige Ansammlung von Körperfett gekennzeichnet ist.